Über die Essenz des Yoga

Yoga besteht laut Pantanjali (dem „Begründer des Yoga“) aus 8 Stufen:

Yama Gebote
Niyama Regeln zur Selbstreinigung
Asanas Körperübungen (Hatha-Yoga)
Pratyahara Zurückziehen der Sinne
Dharana Konzentration
Dhyana Meditation
Samadhi*

 

Als ich mit Yoga begonnen habe, vor ca. 3-4 Jahren, hatte ich davon noch keine Ahnung – wusste aber wohl, dass man die „für sich stimmige“ Yoga-Art ausprobieren und auch seinen Herzens-Lehrer erst finden muss. Ich habe Hatha-Yoga an mehreren Münchner Schulen getestet, war teilweise verwirrt und irritiert über Gesänge und Übungen – und bin dann letztendlich beim Vinyasa Yoga in den Jivamukti-Studios gelandet. Die dort praktizierte, sehr dynamische Art hat meinem damaligen Verständnis von Yoga sehr entsprochen.

Anfang 2016 habe ich aus einer Laune heraus ein Yoga-Retreat in Portugal gebucht. 14 Tage, 2x täglich Yoga, viele unterschiedliche Meditationen – und gutes vegetarisches Essen. Dass meine Begegnungen und Erfahrungen dort ein ganz neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen würden, hätte ich nie gedacht. Vor allem nicht, dass ich schon wenige Monate später ein Yin-Yoga-Teacher-Training machen würde –  das zum Beginn meines eigenen Yoga-Pfades werden sollte.

Im Dezember 2016 besuchte ich für eine Woche ein Zen- und Meditationsretreat im bayerischen Wald (bei Intersein, einem Achtsamkeits-zentrum nach der Lehre von Thich Nhat Hanh). Ich hatte keine Ahnung, dass das ein streng japanisches ZEN Sesshin mit einer „echten“ buddhistischen Nonne werden würde.

Also saß ich 10x am Tag für 30min im Meditationsraum bis mir der Rücken weh tat (über meine Erfahrung dort habe ich hier geschrieben). Es war hart – aber ich kehrte mit einer nie erlebten inneren Ausgeglichenheit zurück und der gefühlten Erkenntnis darüber, was ruhiges Sitzen bewirken kann.

Yoga ist der Beginn

Wenn du offen bist, dich in ungewohnten Situationen erleben zu wollen – gehe in eine Yogastunde, wenn du dort noch nie warst. Gib der Stunde eine Chance – und wenn sie dir nicht gefällt, versuch‘ eine andere. Bleibe erst dort, wo es sich für dich wirklich wohlig anfühlt!

Yoga kann der Beginn sein, viele neue Erkenntnisse über dich selbst zu bekommen. Wenn du es gewohnt bist, sehr „im außen“ zu sein und dich auf andere Menschen zu konzentrieren, wird dich Yoga zur Innenschau führen.

Wir im Westen kümmern uns zunächst oft rein sport- & fitnessmotiviert um Stufe 3 – um die Körperübungen. Social Media floriert und zeigt uns schöne Menschen in tollen Posen. „Ins Yoga“ gehen die Performer, die sich zeigen und stärker werden wollen.

Es geht um Resultate, um Optimierung, um Verbesserung: hart, herzlos, fordernd, leistungsfokussiert.

Bis du anfängst, genauer hinzuhören, was der Yogalehrer da eigentlich immer erzählt…

Die Essenz des Yoga erleben

Manch ein Yoga-Schüler berichtet von einer eigenartigen innerlichen „Süße“, die sich nach einer berührenden Yogastunde einstellt. Dies ist das erste Indiz dafür, dass körperliche Optimierung nicht die Essenz des Yoga sein kann. Dass es darum vielleicht gar nicht geht. Es ist eigentlich nur Beiwerk, quasi ein „Abfallprodukt“. Du wirst stärker und flexibler, weil du deinen Körper in Posen bringst, die er im Alltag nicht tun würde. Das ist aber nicht das ur-eigentliche „Ziel“.

Yoga ist eine Technik, eine Methode, wie du tief in dein Innenleben eintauchen kannst. Du stärkst deinen Körper, um länger in Meditation sein zu können.

Yogaübungen führen dich zu deinem wahren Kern, deinem Selbst. Wenn du es zulässt und in die Haltungen hineinspürst, dann entdeckst du dich, deine reine Person. Wenn du mit ihr in Kontakt kommst, spürst du diese „Süße“, dieses ganz-nah-bei-dir-selber-sein.

Dafür braucht es Stille und die eigene Offenheit: Offen zu sein für alles, was dir dein Körper präsentiert – auch wenn es nicht deinen Erwartungen und nicht deinen Vorstellungen entspricht.

Stille vor allem im Kopf, damit dein Verstand nicht ständig dazwischen funkt und zu allen Entdeckungen seinen Kommentar abgibt. Das macht er gerne und immer; er bewertet und beurteilt und wenn es nichts zu bewerten gibt, beschäftigt er sich mit Möglichkeiten und dem, was du zum Abendessen essen willst. Furchtbar störend bei der inneren Entdeckungsreise.
Pantanjali sagt:

Yoga [in der Essenz] ist die Stilllegung des Geistes.

Den Geist in der Meditation beruhigen

Hast du mal beobachtet, wie lebendig dein Verstand ist, was dein Geist den ganzen Tag lang macht? Ohne dieses Bewusstsein und Erkennen kann es keine Stilllegung geben.

Der Geist ist ganz wundervoll – er macht uns frei und unabhängig, kann tausend Ideen, Wünsche und Träume haben. Er kann sich so viel vorstellen, es gibt keine Grenzen… wunderbar! Dabei besteht er lediglich aus einer Aneinanderreihung von Gedanken.

Er ist verantwortlich für die ewige Jagd nach Sinnesbefriedigungen: mehr haben wollen von schönen Dingen, weniger haben wollen von unschönen Dingen und unangenehmen Momenten. Mehr Wissen, mehr Spüren und Fühlen, mehr Besitzen, dann doch wieder weniger besitzen und so weiter. Wo führt das hin?

Nirgends. It’s a never ending race.

Der Geist ist nie im Augenblick. Er beschäftigt sich entweder mit der Vergangenheit „was hätte sein können, wenn“ – oder mit der Zukunft „wäre es nicht schöner/besser, wenn“. Er ist nie in der Gegenwart. Da gibt es für ihn nämlich nichts zu tun.

Jahrelang haben wir gelernt, dem Geist zu folgen und zu trauen. Zuzuhören, zu glauben und ihm entsprechend zu handeln. Dabei ist es nur Denken. Denken ist eine reine Tätigkeit, wie Sitzen, Stehen, Gehen. Sie führt dich nirgends hin. Beobachte deine Gedanken mal! Heute so, morgen so, jeden Tag anders, mal dies mal das… sie führen nirgends hin. Das ist reines Kino! Wer braucht da noch netflix?!

Sobald du deinen Geist auf die Gegenwart lenkst, lass ihn beobachten, was du gerade tust und wie es dir dabei geht. Das ist dann Achtsamkeit. Eine schöne Übung und unumgängliche Übung, wenn du lernen willst, deinen Geist zu fokussieren und eventuell in ein paar Jahren einmal stilllegen zu können. Was das höchste Glück wäre.

Fang an, zu meditieren. Es lohnt sich.

 

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Ich bin Christine und gebe Yin Yoga Stunden (RYT-250) in München und im Zillertal.

Zusätzlich gebe ich Workshops, die dich dabei unterstützen, endlich dein eigenes Projekt in die Welt zu bringen.

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